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	<title>lotharruttner/blog &#187; Schweiz</title>
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		<title>Der eidgen&#246;ssische Irrtum</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Dec 2009 11:30:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lothar</dc:creator>
				<category><![CDATA[Persönliches]]></category>
		<category><![CDATA[Vom Verschwinden]]></category>
		<category><![CDATA[Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Mit etwas &#220;berraschung und deutlicher Best&#252;rzung nehme ich das Votum der Schweizer zum Minarett-Verbot zur Kenntnis. Es ist ein Zeugnis der Dummheit, ein Zeugnis der Engstirnigkeit und ein Zeugnis der Erkenntnis, dass die Errungenschaften der Aufkl&#228;rung in einer R&#252;ckentwicklung ins Mystische begriffen sind. Wir m&#252;ssen uns nichts vormachen: hier geht es nicht um eine bauliche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-38" title="Blaue Moschee" src="http://www.ruttner.org/blog/wp-content/uploads/2009/12/48060017.jpg" alt="Blaue Moschee" width="500" height="375" /></p>
<p>Mit etwas &#220;berraschung und deutlicher Best&#252;rzung nehme ich das Votum der Schweizer zum Minarett-Verbot zur Kenntnis. Es ist ein Zeugnis der Dummheit, ein Zeugnis der Engstirnigkeit und ein Zeugnis der Erkenntnis, dass die Errungenschaften der Aufkl&#228;rung in einer R&#252;ckentwicklung ins Mystische begriffen sind.</p>
<p>Wir m&#252;ssen uns nichts vormachen: hier geht es nicht um eine bauliche Vorschrift. Das ist die Speerspitze eine Kulturkampfes des christlich gepr&#228;gten Europas gehen den „Islam“. Aber was soll das denn sein, „der Islam“? Wir m&#252;ssten nicht erst unsere Schulliteratur zitieren, Lessing, Nathan und dessen Ringparabel, doch nirgendwo sonst liegt so pr&#228;sent die eigentliche Antwort:</p>
<p>„Kaum war der Vater tot, so k&#246;mmt ein jeder<br />
Mit seinem Ring, und jeder will der F&#252;rst<br />
Des Hauses sein. Man untersucht, man zankt,<br />
Man klagt. Umsonst; der rechte Ring war nicht<br />
Erweislich; – [...]<br />
Fast so unerweislich, als<br />
Uns itzt – der rechte Glaube.“</p>
<p>Der zuhilfe gerufene Richter urteilt weise:</p>
<p>„Wohlan!<br />
Es eifre jeder seiner unbestochnen<br />
Von Vorurteilen freien Liebe nach!<br />
Es strebe von euch jeder um die Wette,<br />
Die Kraft des Steins in seinem Ring&#8217; an Tag<br />
Zu legen! komme dieser Kraft mit Sanftmut,<br />
Mit herzlicher Vertr&#228;glichkeit, mit Wohltun,<br />
Mit innigster Ergebenheit in Gott<br />
Zu H&#252;lf&#8217;! Und wenn sich dann der Steine Kr&#228;fte<br />
Bei euern Kindes-Kindeskindern &#228;u&#223;ern:<br />
So lad ich &#252;ber tausend tausend Jahre<br />
Sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird<br />
Ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen<br />
Als ich; und sprechen.“</p>
<p>Es ist doch auch der Islam der Weltregionen eine, die neben vielen eines eint: der Glaube an Gott. Und genauso, wie die Kircht&#252;rme weit sichtbar auf ein Gotteshaus verweisen, so tun es es die Minarette. Was soll also das Problem daran sein, seinen Glauben auf seine eigene Art und Weise zu zeigen. Wie sagte schon der gro&#223;e Fritz?: <em>„</em><em>alle Religionen Seindt gleich und guth wan nuhr die le&#252;te so sie profesiren Erliche le&#252;te seindt, und wen T&#252;rken und Heiden k&#228;hmen und wolten das Land P&#246;bliren, so wollen wir sie Mosqueen und Kirchen bauen.</em>“ <span style="font-style: normal;">Denn:</span><em> </em><em>„Die Religionen M&#252;&#223;en alle Tolleriret werden und Mus der Fiscal nuhr das auge darauf haben das keine der anderen abruch Tuhe, den hier mus ein jeder nach Seiner Fa&#223;on Selich werden.</em>“ Man sollte meinen, die j&#252;ngeren Aussagen w&#228;ren die toleranteren.</p>
<p>Worum es hier geht, ist aber in Wirklichkeit gar nicht die Religion der anderen. Es geht nicht um die Minarette. Es geht um ein diffuses Unbehagen, es geht um eine weit von jedem Aufkl&#228;rerischen entfernte Dummheit, und es geht letztlich – nennen wir es doch beim Namen: um Rassismus. Dabei sind die Gr&#252;nde schwer zu verstehen: Es geht uns gut, wie lange nicht, wir sind reich, wie lange nicht, und haben eigentlich keinen Grund irgend jemanden zum S&#252;ndenbock f&#252;r irgend etwas zu machen. Wof&#252;r denn auch? Es herrscht, gen&#228;hrt von den Terroranschl&#228;gen des 11. September, eine gewisse Angst vor islamistischer Gewalt. Und diese Angst nimmt alle in Sippenhaftung, die islamischen Glaubens sind. Doch das ist der Fehler! Islamisten sind Gewaltt&#228;ter, die sich zur Rechtfertigung ihrer Taten auf den Koran berufen. Das w&#228;re genauso, wie wenn man sich zur Verteidigung eines Rachemords auf das Alte Testament berufen w&#252;rden. Doch so wie letzteres nicht christlich ist, ist ersteres nicht islamisch.</p>
<p>In der Diskussion wird zur Rechtfertigung des „Ja“ zum Minarett-Verbot vieles pr&#228;sentiert, was mit dem Minarettbau an sich nichts zu tun hat: Unterdr&#252;ckung der Frau, Genitalverst&#252;mmelung, Rachemorde und so weiter. Doch d&#252;rfen wir eines nicht vergessen: gegen all das haben wir ein wirksames, rechtsstaatliches Mittel: unser Grundgesetz. Das reicht voll und ganz aus, um Unrecht – unabh&#228;ngig davon, welcher Religion sein T&#228;ter angeh&#246;rt – zu ahnden. Ein Einschnitt der Religionsfreiheit ist dazu kein probates Mittel.</p>
<p>Wir Europ&#228;er r&#252;hmen uns so gerne mit einem zentralen Gut unserer Gesellschaft: der Freiheit. Doch sollten wir nicht vergessen, dass die Freiheit unserer Gesellschaft bei der Freiheit des Einzelnen beginnt. Diese m&#252;ssen wir garantieren, daf&#252;r m&#252;ssen wir k&#228;mpfen, und daf&#252;r m&#252;ssen wir vor allem eines: mit gutem Vorbild voran gehen. Unbestritten gibt es eine Menge – auch islamisch gepr&#228;gter – Staaten, in denen die Freiheit der Bev&#246;lkerung stark eingeschr&#228;nkt ist, wo sich der Staat auf die Religion beruft, um seine Repressionen zu rechtfertigen. Aber gerade jenen m&#252;ssen wir, die wir in laizistischen Staaten (wie es &#252;brigens auch die T&#252;rkei einer ist) leben, zeigen dass es eine Alternative gibt, dass nur eine offene Gesellschaft ein friedliches Zusammenleben garantiert. Das Rezept kann nur hei&#223;en, offen auf unsere islamischen, j&#252;dischen, christlichen (oder welcher Identit&#228;t auch immer sie sich zugeh&#246;rig f&#252;hlen) Br&#252;der und Schwestern zuzugehen, den Dialog zu f&#252;hren, und nicht selbst Intoleranz zu leben. Das Schweizer Votum hat uns dabei einen B&#228;rendienst erwiesen.</p>
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