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Ich weiß keine bessere Welt

Montag, 22. Januar 2007

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Die Lampe verlosch und hinterließ dunkelste Finsternis. Kein Lichtstreif. Orientierungslosigkeit. Wohin? Sie schlief ein, „schon am Schlafrand getroffen von einem Traum, und [griff] sich an den Kopf und an ihr Herz, weil sie nicht wußte, woher das viele Blut kam. Sie dachte trotzdem noch: Es ist nichts, es ist nichts, es kann mir doch gar nichts mehr geschehen. Es kann mir etwas geschehen, aber es muß mir nichts geschehen.“ (Nach Ingeborg Bachmann: Drei Wege zum See. In: Werke, Bd. 2. Piper)

am Ende ist
der Anfang von
Tagtraum und Erinnerung,
am Ende ist also
sodann das was nicht
sein soll,
es ist am Ende
(Ingeborg Bachmann. In: Ich weiß keine bessere Welt. Piper)

Erklär mir nichts

Montag, 22. Januar 2007

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„Nur eine Hoffnung durfte und wollte sie sich nicht offen lassen, denn wenn sie in fast dreißig Jahren keinen Mann getroffen hatte, einfach keinen, der von einer ausschließlichen Bedeutung für sie war, der unausweichlich für sie geworden war, jemand, der stark war und ihr das Mysterium brachte, auf das sie gewartet hatte, keinen, der wirklich ein Mann war und nicht ein Sonderling, Verlorener, ein Schwächling oder einer dieser Hilfsbedürftigen, von denen die Welt voll war, dann gab es den Mann nicht, und solange es diesen Neuen Mann nicht gab, konnte man nur freundlich sein und gut zueinander, eine Weile. Mehr war nicht daraus zu machen, und es sollten die Frauen und die Männer am besten Abstand halten, nichts zu tun haben miteinander, bis beide herausgefunden hatten aus einer Verwirrung und der Verstörung, der Unstimmigkeit aller Beziehungen. Eines Tages konnte dann etwas anderes kommen, aber nur dann, und es würde stark und mysteriös sein und wirklich Größe haben, etwas, dem jeder sich wieder unterwerfen konnte.“ (Ingeborg Bachmann: Drei Wege zum See. In: Werke, Bd. 2. Piper)

Ist der Schmerz ein gerechter, wenn er sehen macht, hilft nicht misszuverstehen, hinausführt aus der Verwirrung, der Verstörung, der Unstimmigkeit, der Liebe?

Erklär mir, Liebe

Samstag, 20. Januar 2007

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In ihrer Rede zur Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden schreibt Ingeborg Bachmann: „Nun steckt aber in jedem Fall, auch im alltäglichsten von Liebe, der Grenzfall, den wir, bei näherem Zusehen, erblicken können und vielleicht uns bemühen sollten, zu erblicken. Denn bei allem, was wir tun, denken und fühlen, möchten wir manchmal bis zum Äußersten gehen. Der Wunsch wird in uns wach, die Grenzen zu überschreiten, die uns gesetzt sind. Nicht um mich zu widerrufen, sondern um es deutlicher zu ergänzen, möchte ich sagen: Es ist auch mir gewiß, daß wir in der Ordnung bleiben müssen, daß es den Austritt aus der Gesellschaft nicht gibt und wir aneinander prüfen müssen. Innerhalb der Grenzen haben wir den Blick gerichtet auf das Vollkommene, das Unmögliche, Unerreichbare, sei es der Liebe, der Freiheit oder jeder reinen Größe. Im Widerspiel des Unmöglichen mit dem Möglichen erweitern wir unsere Möglichkeiten. Daß wir es erzeugen, dieses Spannungsverhältnis, an dem wir wachsen, darauf, meine ich, kommt es an; daß wir uns orientieren an einem Ziel, das freilich, wenn wir uns nähern, sich noch einmal entfernt.“ (Ingeborg Bachmann: Werke, Bd. 4. Piper)

Was jedoch, wenn dieses Unmögliche, diese Utopie, die als Ziel vor Augen den Boden bildet, auf dem man geht, plötzlich zerfällt, sich auflöst zu Nichts, und man fällt, und niemand mehr da ist, der einen hält?

Erklär mir nichts. Ich seh den Salamander
durch jedes Feuer gehen.
Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.