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Au revoir THF

Samstag, 03. Mai 2008

Was der regierende Bürgermeister Berlins vor allem kann ist durch seine markigen Sprüche die Presse und damit die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen. Sein “Ich bin schwul … und das ist auch gut so!” war gut vor den Wahlen platziert; und da diese beiden Kompetenzen in Berlin ausreichen einen Regierungsposten zu bekleiden, bestimmt er nun über Tun und Lassen in der Stadt, für die er sich sein Sprüchlein “Berlin ist arm aber sexy” ausgedacht hat. Einmal mehr gekonnt pointiert formuliert. Doch eine politische Tätigkeit sollte sich nicht auf das Formulieren von Sachverhalten beschränken, sondern darüber hinaus auch das Warum dahinter analysieren um daraus Schlüsse für die politische Arbeit zu ziehen. Das scheint er aber nicht zu tun, denn anstatt das arm und sexy auch einmal zu hinterfragen, setzt er dem nur ein “und das ist auch gut so!” hinterher, und schon ist die Arbeit erledigt. 

Auch die vorzeitige Einstellung des Flugbetriebs in Tempelhof ist eine der wenig durchdachten Handlungen: zuerst wird einmal geschlossen – “und das ist auch gut so!” – und hinter mir die Sintflut. Konzepte für ein Schließungsszenario scheint es nicht zu brauchen, reicht es doch, ein bisschen den Sozialneid zu schüren (“Ick zahl doch nicht für einen VIP-Flughafen”) und schon ist die Arbeit wieder mal getan. So macht regieren Spaß, kostet es doch nicht ein Übermaß an Gehirnarbeit.

Vor einer Woche ging der Volksentscheid über die Zukunft Tempelhofs leider erfolglos zu Ende. Der regierende Bürgermeister hatte im Vorfeld ja schon deutlich gemacht, dass ihm demokratische Spielregeln herzhaft egal sind und er nicht gedenke ein eventuell erfolgreiches Volksbegehren in seine Erwägungen einfließen zu lassen. Interessant auch, welche Schlüsse er aus dem dem Entscheid, bei dem immerhin 60 Prozent der abgegebenen Stimmen für die Offenhaltung des Flughafens plädierten, zog: “Allerdings zeigt sich nun auch, dass deutlich mehr als drei Viertel der Berlinerinnen und Berliner entweder mit Nein stimmten oder sich erst gar nicht beteiligten. Deshalb bitte ich darum, dass nun auch die Befürworter weiteren Flugbetriebs diese Mehrheit respektieren.” Das ist in der Tat ein beindruckendes Demokratieverständnis, dessen Wurzel man eher in der Deutschen Demokratischen Republik suchen möchte, denn in der Bundesrepublik Deutschland. Richtig ist wohl, dass mehr als drei Viertel der Berliner nicht mit “Ja” stimmten, daraus aber eine Mehrheit für die Schließung abzulesen ist bedenklich, sind nicht abgegebene Stimmen nun einmal nicht abgegebene Stimmen und keine Nein-Stimmen. Schlicht und ergreifend heißt die niedrige Beteiligung an dem Volksentscheid, dass es einer deutlichen Mehrheit der Berliner schnurzpiepegal ist, was mit dem Flughafen Tempelhof passiert. Und schnurzpiepegal heißt nunmal nicht: “Bitte schließen!” Geht man von diesem Demokratieverständnis aus, verwundern die autokratischen Züge im Regierungsstil des Bürgermeisters nicht weiter, heißt das wohl ja auch, dass zu den 34,2 Prozent SPD-Wählern der letzen Wahl auch noch die 42 Prozent Nichtwähler hinzuzuzählen sind, denn wer nicht wählt, erklärt sich ja scheinbar mit dem Willen des regierenden Bürgermeisters einverstanden, und schon hat Wowereit eine satte Mehrheit von unfassbaren 76,2 Prozent hinter sich. Warum er da noch die Linken als Koalitionspartner braucht? … Bitte wachen Sie auf, Herr Wowereit!

Willkommen in Berlin

Sonntag, 23. September 2007

Ja, es ist Herbst, nun auch im Kalender. So wunderbar Herbst, dass die Sonne einen richtig hinauszieht, raus aus der Wohnung, hinaus in die Stadt. Oder sagen wir: fast raus aus der Stadt, genauer: heute mal aufs Tempelhofer Feld.

An dessen Rand steht ja seit fast 70 Jahren ein riesiger Gebäudekomplex, geplant von Ernst Sagebiel und geprägt von faschistischer Ästhetik, der doch den reinen Monumentalismus überwindet und in seiner Funktionalität fasziniert: der Flughafen Berlin-Tempelhof. Ein Flughafen mit bewegter Geschichte. Einst weltgrößter seiner Art, wurde er das rettende Tor für Westberlin, als die Stadt während der sowjetischen Blockade durch die Rosinenbomber mit Lebensnotwendigem versogt wurde. Als “Bau-Symbol der westlichen Freiheit” ist der Flughafen damit gleichzeitig Berliner Denkmal und Mahnmal für das geteilte Deutschland.

In seiner Funktion als Flughafen musste das Gebäude schon so manchen Dornröschenschlaf ausharren (so wurde die zentrale Abfertigungshalle nur etwa die Hälfte ihres Lebens auch als solche genutzt), doch geht es nach dem Willen des derzeitigen regierenden Bürgermeisters der Haupstadt und seines rot-rot-grünen Verbunds, so soll schon in einem Jahr das letzte Flugzeug vom Tempelhofer Feld gestartet sein. Für immer. Das zu verhindern versucht gerade ein initiertes Volksbegehren, das Mitte Oktober zur Unterschrift bereitliegen soll. Potentielle 70 Prozent der Berliner stehen hinter dem Begehren, so prophezeihen es Meinungsumfragen. Bleibt zu hoffen, dass diese ihre Stimme auch lautstark zum Ausdruck bringt, damit Tempelhof das Schicksal des Verschwindens erspart bleibt.

Informationen pro Tempelhof gibt es auf der Website der ICAT (Interessengemeinschaft City-Airport Tempelhof e. V.) unter www.flughafen-berlin-tempelhof.de

Und siehe da, es war Herbst

Samstag, 22. September 2007

Mehr Fotos auf flickr

Heute morgen aufgewacht und es war Herbst. Nicht der Kalenderherbst, sondern der andere, der, der sich anfühlt wie Herbst, egal welcher Tag als heutiger im Kalender steht.

Und es war ein wunderbarer Tag: mit dem Fahrrad durch den vormittäglichen, noch nicht ganz erwachten Tiergarten zum heute sehr schweizerischen Frühstück. Danach amerikanisch-mexikanische Sonne am Kreuzberger Wasser. Braucht es denn mehr, um glücklich zu sein? Vielleicht nicht für den Moment, doch besteht das Glücklichsein nicht ohnedies nur im Moment? Was folgt? Syrisch-thailändische Suppe? Ein glücklicher Moment mehr?

“Denn Wunsch, d.h. Mangel ist die vorhergehende Bedingung jedes Genusses. Mit der Befriedung hört aber der Wunsch und folglich der Genuß auf. Daher kann die Befriedigung oder Beglückung nie mehr sein als die Befreiung von einem Schmerz, von einer Not: denn dahin gehört nicht nur jedes wirkliche offenbare Leiden, sondern auch jeder Wunsch, dessen Importunität unsere Ruhe stört, ja sogar die ertötende Langeweile, die uns das Dasein zur Last macht.” (Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, Viertes Buch, § 58)

Der Lange Jammer

Samstag, 07. Oktober 2006

Der Lange Jammer

Mit dem heutigen Tag beginne ich eine lose Reihe von Blogs über Orte, die für immer von dieser Welt verschwunden sind, die im Verschwinden begriffen sind, und für die es lohnt, eine Träne zu verlieren. Ein solcher Ort ist der Lange Jammer. Einst die längste Fußgängerbrücke Europas, verband diese Stahlkonstruktion, die 1937 fertiggestellt wurde, den heutigen S-Bahnhof Storkower Straße in Berlin Lichtenberg mit der Eldenaer Straße in Friedrichshain. 434 Meter lang, vier Meter breit und sechs Meter hoch spannte sich die Brücke zu ihrer Eröffnung auf 22 Stützen über das Schlachthofgelände. Der Fußweg war überdacht und seitlich mit undurchsichtigen Glasscheiben verkleidet, um die Aussicht auf die täglichen Szenen im Schlachtbetrieb zu verhindern.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die im Volksmund „Langer Jammer“, „Langes Elend“ oder auch „Rue de Galopp“ genannte Brücke stark zerstört, bis 1951 aber wieder rekonstruiert. Zu DDR-Zeiten wurde sie in den 70er-Jahren umfangreich saniert und bis zum Wohngebiet Fennpfuhl verlängert. Von nun an maß sie 522 Meter.

Mitte der 90er-Jahre wurde anlässlich des beginnenden Wiederaufbaus der Ring-Bahn das 85 Meter lange Teilstück vom S-Bahnhof bis über die Storkower Straße saniert. Da der Investor des geplanten Wohn- und Gewerbegebiets Alter Schlachthof darauf drängte wurde ein 300 Meter langes Teilstück der denkmalgeschützten Brücke 2002 abgerissen.

Die Senatsverwaltung kommentiert in Ihrer Drucksache Nr. 15/581 (II.A.17.) – Auflagenbeschlüsse 2002 /2003 lapidar: „Die Abrissmaßnahmen ergaben sich aus der Notwendigkeit der zeitgerechten, und vertraglich vereinbarten Schaffung von Baufreiheit für das Investitionsvorhaben „Fachmarktzentrum“ an der Herrmann-Blankenstein-Straße.“

Aus Gründen des Denkmalschutzes ließ man ein etwa 75 Meter langes Teilstück an der Eldenaer Straße bestehen. Doch selbst dieses wurde im Frühjahr 2006 beseitigt. Nun erinnern nur mehr das zu Tode sanierte Teilstück, das das „Fachmarktzentrum“ mit dem S-Bahnhof und der Storkower Straße verbindet, sowie der Name der an seiner Stelle verlaufenden Straße, „Zum Langen Jammer“, an das einstige Bauwerk. Einmal mehr eine Schande, wie die Verwaltung dieser Stadt mit ihren Baudenkmälern umgeht.

Informationen zum Areal des Zentralvieh- und Schlachthofs mit einem Abriss zur Geschichte der Fußgängerbrücke ist auf Wikipedia zu finden. Weiter Bilder finden sich unter anderen in meinem Photoset zum Langen Jammer auf flickr.

Handy Tools

Sonntag, 01. Oktober 2006

Handy Tools

Dinge die den Neoblogger und flickr-User begeistern: Eben habe ich herausgefunden, dass meine Lieblings-Web 2.0-Anwendung flickr noch ein ganz tolles Tool bereithält, das mir das Bloggen in Zukunft noch einfacher machen soll, kann ich doch nach Eingabe meiner Daten ab sofort direkt von jeder Foto-Ansicht aus einen Blog schreiben und hierher schicken. Kein umständliches URL-Kopieren mehr, sondern nur mehr Blog this klicken, und los geht’s. Die Wunderwelt der Technik …

Was mir sonst noch auf den Nägeln brennt: Gestern abend Premiere im Berliner Ensemble – Claus Peymann und Hermann Beil spielen Thomas Bernhard; und vor allem sich selbst. Die Inszenierung altbekannt noch auch dem Wiener Akademietheater, die Besetzung allerdings neu und so richtig genial – eigentlich die logische und Idealbesetzung, verleiht es den drei Dramoletten doch eine besondere Komik und doppelte Ironie, wenn Peymann selbst Peymann sagen lässt, das Publikum könne ihn im Grunde doch im Arsch lecken. Peymann macht Bernhard ist für mich wohl seit über 20 Jahren die beste und einzige Möglichkeit, Bernhard auf die Bühne zu bringen. Deshalb – und auch meiner Begleitung wegen – ein wunderbarer Theaterabend. Bitte mehr davon!

War noch was mit der Weltkomödie Österreich? Ach ja! Die Ösis wählen mal wieder ihre Schlächter selber. Heute also mit dem für das kleine Land überdimensionierten Stimmzettel ab nach Tiergarten in die Botschaft der Republik und dem Erbrechen nahe doch auch ein Kreuzchen draufgemalt – noch nie zuvor mit solchem schlechten Gewissen und so ganz gegen jede politische Überzeugung. Eigentlich wäre es doch richtiger, das einzig Wahre zu tun und nicht zu wählen. Aber was nützts? Der Ersatzkaiser wird sich ja doch wieder als der Wahlgewinner präsentieren und weiter seine Operettenpolitik machen. Bleibt nur zu hoffen, diesmal ohne flötenspielender Volksschullehrerin im Gepäck. Und vielleicht dann doch einmal mit einer Partei, die nicht ständig die Grenzen der Menschenwürde auslotet und überschreitet. Aber warum eigentlich? Haben nicht die Wähler genau die Regierung verdient, die sie wählen? Hat nicht ein Operettenland eine Operettenregierung verdient, die nichts andere tut, als ihre Operettenpolitik umzusetzen? Tu felix Austria!