01. Juli 2007

Heute morgen aufgewacht und es war Juli. Sommer. Aber gar so sommerlich fühlt es sich gar nicht an. Heute nacht wieder einmal nicht vom Fliegen geträumt, wie sonst so oft in letzter Zeit. Irgendjemand meinte mal, zu träumen, selbst fliegen zu können, bedeute innere Zufriedenheit. Freud sah darin ja mehr das sexuelle Verlangen, andere den Wunsch nach Veränderung. Vielleicht stimmt das ja alles ein bisschen, vielleicht hat das alles aber auch gar nichts mit den Träumen zu tun. Egal. I believe I can fly!
Das dachte ja auch Ikarus zurecht, doch stürzte er – wie wir alle wissen – aufgrund seiner Übermut vor den Augen Daedalus ins Meer. Der polnisch-deutsche Bildhauer Igor Mitoraj befasste sich in einigen Skulpturen, die ich letzte Woche in Barcelona sah, mit dem Mythos. Beeindruckend.
Viel beeindruckender jedenfalls, als in einem Flugzeug zu sitzen, von dem aus man vor lauter Wolken noch nicht mal den Bodensee sehen kann. Da kann man sich dann nur eines wünschen: selbst Flügel zu haben, mit denen man durch die Wolken tauchen und sanft und sicher landen könnte, wo immer man will …
Tags: Fliegen, Flugzeug, Ikarus, Sommer
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19. Juni 2007

Als hätte Pluto nicht schon ein Jahr durchgemacht, das schwer genug für einen kleinen Planeten war, nein, dem armen wird gleich nochmal eine verpasst: nicht nur kein Planet soll er mehr sein, sondern auch die Ehre des größten, nein, noch nicht mal des dichtesten Zwergplaneten wird ihm zuteil. Ausgerechnet Emily hat es auf Pluto abgesehen und mit Hilfe von Dysnomia, dem Trabanten des Eris, errechnet, dass der, im Durchmesser 100 km größere, Zwergenplanet auch noch um 27 Prozent mehr Masse hat als Pluto.
Da haben die Entdecker des streitbaren Bruders von Pluto schon gleich Planetengespür bewiesen, als sie ihm den Namen Eris gaben, war die Tochter der Nyx (die übrigens einem von Plutos Monden den Namen leiht) doch die griechische Göttin der Zwietracht und des Streites. Da scheint es schon fast als eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet Dysnomia, der Eris nachkommende Dämon der Gesetzlosigkeit, die den Naturgesetzen gehorchende Erkenntnis brachte.
Und Pluto? Macht sich denn eigentlich irgendjemand Gedanken darüber, wie es dem Herrscher der Unterwelt jetzt geht – degradiert und bloßgestellt? Und meine Eselsbrücke?: Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun… das macht so doch keinen Sinn mehr! Was dazu heute wohl ein Echsenbeckendinosaurier sagen würde…?
Tags: Planeten, Pluto, Sonnensystem
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19. März 2007

Woody Allens Isaac Davis stellt gegen Ende des Films Manhattan die Frage: Warum ist das Leben lebenswert? „Eine sehr gute Frage. Weil es gewisse Dinge gibt, die es lebenswert machen, meine ich. Was zum Beispiel? Also für mich, da würde ich sagen vielleicht Groucho Marx, um nur eins zu nennen, und Willie Maze, und der zweite Satz der Jupiter-Sinfonie, und Louis Armstrongs Aufnahme von Potato Head Blues, schwedische Filme natürlich, Lehrjahre des Gefühls von Flaubert, Marlon Brando, Frank Sinatra, und die unglaublichen Äpfel und Birnen von Cézanne, die Krebsschwänze bei Sam Wo. Tracys Gesicht …“
Vielleicht sollten wir uns alle selber öfter die Frage stellen, was das Leben denn lebenswert macht. Also für mich, da würde ich sagen vielleicht Johnny Cash, und Woody Allen, und die Opern von Richard Wagner, Giya Kanchelis Vom Winde beweint, die Norma der Maria Callas, Radetzkymarsch von Joseph Roth, und Ingeborg Bachmann, und The Last Picture Show, Berlin, die Suppe bei Azar. Und das unglaubliche Gefühl, einem Menschen ganz nah zu sein.
„Wenn ich den See seh’, brauch’ ich kein Meer mehr“, sagt man irgendwo im Süden des Landes …
Tags: Leben
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27. Februar 2007

Der stolze Löw’ läßt sich zwar zähmen,
er nimmt vom Schmeichler Fessel an,
doch will man sklavisch ihn beschämen,
steigt seine Wut bis zum Tyrann.
Er brüllet mit furchtbarer Stimme
und schleudert im wütenden Grimme
die Ketten in Trümmern zur Erd’,
und was ihm entgegen,
wird von seinen Schlägen
zum Tode, zum Tode verheert.
aus: Wolfgang Amadeus Mozart/Johann Andreas Schachtner: Zaide
Tags: Liebe, Musik
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25. Februar 2007

Wien, Wien, nur du allein … ja was? Sollst stets Stadt meiner Träume sein? Alpträume? Alpenträume? Letzteres vielleicht ja.
Dabei liegt Wien doch gar nicht in den Alpen.
Jedenfalls ist mir eines klar geworden: man kann Wien nur hassen, wenn man Wien liebt. Oder Wien nur lieben, wenn man Wien hasst? Beides vielleicht.
Was ich beispielsweise liebe und mit Abstand zur Stadt zu schätzen lerne: das Wiener Kaffeehausleben. Klischee? Ich weiß nicht. Aber ein kleiner Schwarzer mit einem Stück Apfelstrudel oder Topfenstrudel in der ruhigen Beschaulichkeit eines Bräunerhofes, eines Prückel oder selbst eines Westend sind einfach ein wunderbarer Zeitvertreib.
„In Wien ist es im März noch tiefer Winter
Ende Jänner sagen die Wiener schon es ist Frühling
Aber noch Ende März ist es tiefer Winter“
(Thomas Bernhard: Heldenplatz. Suhrkamp)
Tags: Kaffeehaus, Liebe, Thomas Bernhard, Wien
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