Archiv für die Kategorie ‘Persönliches’

Heißgeliebt und heißgehasst

Sonntag, 25. Februar 2007

Mehr Fotos auf flickr.com

Wien, Wien, nur du allein … ja was? Sollst stets Stadt meiner Träume sein? Alpträume? Alpenträume? Letzteres vielleicht ja.

Dabei liegt Wien doch gar nicht in den Alpen.

Jedenfalls ist mir eines klar geworden: man kann Wien nur hassen, wenn man Wien liebt. Oder Wien nur lieben, wenn man Wien hasst? Beides vielleicht.

Was ich beispielsweise liebe und mit Abstand zur Stadt zu schätzen lerne: das Wiener Kaffeehausleben. Klischee? Ich weiß nicht. Aber ein kleiner Schwarzer mit einem Stück Apfelstrudel oder Topfenstrudel in der ruhigen Beschaulichkeit eines Bräunerhofes, eines Prückel oder selbst eines Westend sind einfach ein wunderbarer Zeitvertreib.

„In Wien ist es im März noch tiefer Winter
Ende Jänner sagen die Wiener schon es ist Frühling
Aber noch Ende März ist es tiefer Winter“
(Thomas Bernhard: Heldenplatz. Suhrkamp)

Ich weiß keine bessere Welt

Montag, 22. Januar 2007

Mehr Fotos auf flickr.com

Die Lampe verlosch und hinterließ dunkelste Finsternis. Kein Lichtstreif. Orientierungslosigkeit. Wohin? Sie schlief ein, „schon am Schlafrand getroffen von einem Traum, und [griff] sich an den Kopf und an ihr Herz, weil sie nicht wußte, woher das viele Blut kam. Sie dachte trotzdem noch: Es ist nichts, es ist nichts, es kann mir doch gar nichts mehr geschehen. Es kann mir etwas geschehen, aber es muß mir nichts geschehen.“ (Nach Ingeborg Bachmann: Drei Wege zum See. In: Werke, Bd. 2. Piper)

am Ende ist
der Anfang von
Tagtraum und Erinnerung,
am Ende ist also
sodann das was nicht
sein soll,
es ist am Ende
(Ingeborg Bachmann. In: Ich weiß keine bessere Welt. Piper)

Erklär mir nichts

Montag, 22. Januar 2007

Mehr Fotos auf flickr.com

„Nur eine Hoffnung durfte und wollte sie sich nicht offen lassen, denn wenn sie in fast dreißig Jahren keinen Mann getroffen hatte, einfach keinen, der von einer ausschließlichen Bedeutung für sie war, der unausweichlich für sie geworden war, jemand, der stark war und ihr das Mysterium brachte, auf das sie gewartet hatte, keinen, der wirklich ein Mann war und nicht ein Sonderling, Verlorener, ein Schwächling oder einer dieser Hilfsbedürftigen, von denen die Welt voll war, dann gab es den Mann nicht, und solange es diesen Neuen Mann nicht gab, konnte man nur freundlich sein und gut zueinander, eine Weile. Mehr war nicht daraus zu machen, und es sollten die Frauen und die Männer am besten Abstand halten, nichts zu tun haben miteinander, bis beide herausgefunden hatten aus einer Verwirrung und der Verstörung, der Unstimmigkeit aller Beziehungen. Eines Tages konnte dann etwas anderes kommen, aber nur dann, und es würde stark und mysteriös sein und wirklich Größe haben, etwas, dem jeder sich wieder unterwerfen konnte.“ (Ingeborg Bachmann: Drei Wege zum See. In: Werke, Bd. 2. Piper)

Ist der Schmerz ein gerechter, wenn er sehen macht, hilft nicht misszuverstehen, hinausführt aus der Verwirrung, der Verstörung, der Unstimmigkeit, der Liebe?

Erklär mir, Liebe

Samstag, 20. Januar 2007

Mehr Fotos auf flickr.com

In ihrer Rede zur Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden schreibt Ingeborg Bachmann: „Nun steckt aber in jedem Fall, auch im alltäglichsten von Liebe, der Grenzfall, den wir, bei näherem Zusehen, erblicken können und vielleicht uns bemühen sollten, zu erblicken. Denn bei allem, was wir tun, denken und fühlen, möchten wir manchmal bis zum Äußersten gehen. Der Wunsch wird in uns wach, die Grenzen zu überschreiten, die uns gesetzt sind. Nicht um mich zu widerrufen, sondern um es deutlicher zu ergänzen, möchte ich sagen: Es ist auch mir gewiß, daß wir in der Ordnung bleiben müssen, daß es den Austritt aus der Gesellschaft nicht gibt und wir aneinander prüfen müssen. Innerhalb der Grenzen haben wir den Blick gerichtet auf das Vollkommene, das Unmögliche, Unerreichbare, sei es der Liebe, der Freiheit oder jeder reinen Größe. Im Widerspiel des Unmöglichen mit dem Möglichen erweitern wir unsere Möglichkeiten. Daß wir es erzeugen, dieses Spannungsverhältnis, an dem wir wachsen, darauf, meine ich, kommt es an; daß wir uns orientieren an einem Ziel, das freilich, wenn wir uns nähern, sich noch einmal entfernt.“ (Ingeborg Bachmann: Werke, Bd. 4. Piper)

Was jedoch, wenn dieses Unmögliche, diese Utopie, die als Ziel vor Augen den Boden bildet, auf dem man geht, plötzlich zerfällt, sich auflöst zu Nichts, und man fällt, und niemand mehr da ist, der einen hält?

Erklär mir nichts. Ich seh den Salamander
durch jedes Feuer gehen.
Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

Hot Coke With Ginger

Freitag, 06. Oktober 2006

Coke und Ginger

Pünktlich zum Sinken der Temperaturen hat sich hierzulande wieder eine Grippe- und Erkältungswelle breitgemacht. Hausmittelchen gegen Halsschmerzen, Schnupfen, Husten und Fieber gibt es ja eine Vielzahl. Bekannt ist in mitteleuropäischen Breiten zwischenzeitlich auch die heilende Wirkung der Ingwerwurzel. Die Rhizoma zingiberis „enthält einen zähflüssigen Balsam (Oleoresin), der aus ätherischen Ölen und einem Scharfstoffanteil, den Gingerolen und Shoagolen besteht.“ (Wikipedia) Die chinesische Medizin verordnet Ingwer daher in Form von Tees und Bädern bei Rheuma, Muskelschmerzen und Erkältungen.

So weit so gut. Hong Kong gehört bekanntlich seit 1997 zur chinesischen Volksrepublik, wobei wohl nicht erst seit diesem Zeitpunkt die chinesische Kunst des Heilens auch in dieser Stadt bekannt ist. Wie ich von ortskundiger Informantin dieser Tage erfahren habe, steht dort auf den Getränkekarten fast jeder Verkaufseinrichtung ein etwas zweifelhaft klingendes Getränk: Hot coke with ginger. Warum? Hong Kong ist wohl eine der Städte mit extrem hoher Klimaanlagendichte. So angenehm kühl bis frostig die klimatisierten Räume auch sind, sie fördern die Erkältungsgefahr. Um dem entgegenzuwirken wird Cola mit Ingwer getrunken, was das Zeug hält. Dabei soll – die medizinische Richtigkeit kann ich nicht bestätigen – die Cola dafür verantwortlich sein, Keime und Krankheitserreger im Rachen zu lösen, der Ingwer mit seiner bekannt antiseptischen Wirkung tut dann das übrige.

Zubereitet ist dieses Getränk sehr einfach: Die Cola wird einmal aufgekocht, vom Feuer genommen und dann mit geriebenem Ingwer vermischt. Fertig. Ob die Wirkung tatsächlich hält, was sie verspricht, versuche ich – erkältet – eben im Selbstversuch zu erproben. Ob ich das mit dem Cocktail an Antierkältungsmaßnahmen tatsächlich beantworten werde können, bleibt allerdings fraglich. – Aber man soll ja nichts unversucht lassen. „Hilft’s nicht“, so der Volksmund, der niemals irrt, „so schadt’s nicht“