Archiv für die Kategorie ‘Kultur’

Auf Drogen

Montag, 20. September 2010

Die Kritiken versprachen einen filmisch interessanten, aber durchwegs anstrengenden Film. Der Trailer, den ich schon alleine der Musik wegen sehr mochte, versprach einen optisch sehr ansprechenden, aber durchwegs anstrengenden Film. Und tatsächlich: Als ich vergangene Woche im Moviemento saß, zweieinhalb Stunden lang auf eher unbequemen Stühlen, da sah ich einen optisch teils sehr schönen, filmisch hoch interessanten, aber einen unheimlich anstrengenden Film. Ich meine sogar, es war der anstrengendste Film, den ich je gesehen hatte – und das in jeder körperlichen Hinsicht: die Bilder der verwackelten, teils unscharfen, teils drogengetrübten Bilder der subjektiven Kamera im ersten Teil des Filmes verursachten Schwindelgefühle, die Dumpfen Bässe der Musik drangen bis in die Eingeweide und der zwar nicht zum Film aber durchaus zum Kino gehörige Grillgeruch vom Türken einen Stock tiefer verursachten mir eine wahre Übelkeit. Die Brutalität der expliziten Bilder auf der Leinwand verstärkten dieses Gefühl und 160 Minuten lang stand die Frage im Raum, warum man sich das eigentlich antut. In der Hoffnung, darauf eine Antwort zu finden, blieb ich 160 Minuten lang sitzen.

Nur: so wirklich fand ich die Antwort nicht. Einen Sinn, eine Moral, eine Aussage konnte ich nicht erkennen. Und als dann kurz vor Schluss, nachdem ein rätselhaftes Licht aus der Scham kopulierender Pärchen strömte, ein Ejakulat in vaginaler Sichtweise mich quasi im Gesicht traf konnte ich – und mit mir fast der ganze Kinosaal – eigentlich nur noch lachen, weil mir nicht eingehen wollte, dass der Regisseur den Kreislauf vom Tod zur Reinkarnation tatsächlich auf diese Weise schließen wollte. Etwas gerädert, verließ ich den Kinosaal, ganz froh, diesen Ort endlich verlassen zu können, und doch irgendwie fasziniert von dem eben gesehenen, von dem Rausch, der mich – drogengleich – erfasst hatte.

Enter the Void (Soudain le vide), F 2009, 162 Min., Regie und Buch: Gaspar Noé, Kamera: Benoît Debie, Schnitt: Gaspar Noé, Marc Boucrot, Jerome Pesnel, Musik: Thomas Bangalter. Mit: Paz de la Huerta, Nathaniel Brown, Cyril Roy, Emily Alyn Lind, Jesse Kuhn

Átame y piensa en mi!

Freitag, 07. Mai 2010

Barcelona

Dank eines wunderbaren Geburtstagsgeschenkes meiner Schwester tauche ich gerade tiefer in den Kosmos Almodóvar ab, als je zuvor, bin gefesselt von den Bildern, den Geschichten, den Charakteren, der Musik …

 
Denk an mich!

Wenn du zutiefst traurig bist
Denk an mich
Wenn du weinen möchtest
Denk an mich
Du weißt, ich verehre
Dein göttliches Bild
Deinen kindlichen Mund
der mich ganz klein
lehrte zu sündigen.

Denk an mich
Wenn du leidest
Wenn du weinst
Auch dann, denk an mich
Wenn du mir das Leben nehmen willst
Ich will es nicht mehr
Es gibt mir nichts, ohne dich.

 

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Luz Casal: Piensa en mi

Der Traum vom Fliegen

Sonntag, 01. Juli 2007

Ikarus Barcelona

Heute morgen aufgewacht und es war Juli. Sommer. Aber gar so sommerlich fühlt es sich gar nicht an. Heute nacht wieder einmal nicht vom Fliegen geträumt, wie sonst so oft in letzter Zeit. Irgendjemand meinte mal, zu träumen, selbst fliegen zu können, bedeute innere Zufriedenheit. Freud sah darin ja mehr das sexuelle Verlangen, andere den Wunsch nach Veränderung. Vielleicht stimmt das ja alles ein bisschen, vielleicht hat das alles aber auch gar nichts mit den Träumen zu tun. Egal. I believe I can fly!

Das dachte ja auch Ikarus zurecht, doch stürzte er – wie wir alle wissen – aufgrund seiner Übermut vor den Augen Daedalus ins Meer. Der polnisch-deutsche Bildhauer Igor Mitoraj befasste sich in einigen Skulpturen, die ich letzte Woche in Barcelona sah, mit dem Mythos. Beeindruckend.

Viel beeindruckender jedenfalls, als in einem Flugzeug zu sitzen, von dem aus man vor lauter Wolken noch nicht mal den Bodensee sehen kann. Da kann man sich dann nur eines wünschen: selbst Flügel zu haben, mit denen man durch die Wolken tauchen und sanft und sicher landen könnte, wo immer man will …

Dinge, die das Leben lebenswert machen

Montag, 19. März 2007

Flugzeug

Woody Allens Isaac Davis stellt gegen Ende des Films Manhattan die Frage: Warum ist das Leben lebenswert? „Eine sehr gute Frage. Weil es gewisse Dinge gibt, die es lebenswert machen, meine ich. Was zum Beispiel? Also für mich, da würde ich sagen vielleicht Groucho Marx, um nur eins zu nennen, und Willie Maze, und der zweite Satz der Jupiter-Sinfonie, und Louis Armstrongs Aufnahme von Potato Head Blues, schwedische Filme natürlich, Lehrjahre des Gefühls von Flaubert, Marlon Brando, Frank Sinatra, und die unglaublichen Äpfel und Birnen von Cézanne, die Krebsschwänze bei Sam Wo. Tracys Gesicht …“

Vielleicht sollten wir uns alle selber öfter die Frage stellen, was das Leben denn lebenswert macht. Also für mich, da würde ich sagen vielleicht Johnny Cash, und Woody Allen, und die Opern von Richard Wagner, Giya Kanchelis Vom Winde beweint, die Norma der Maria Callas, Radetzkymarsch von Joseph Roth, und Ingeborg Bachmann, und The Last Picture Show, Berlin, die Suppe bei Azar. Und das unglaubliche Gefühl, einem Menschen ganz nah zu sein.

„Wenn ich den See seh’, brauch’ ich kein Meer mehr“, sagt man irgendwo im Süden des Landes …

Handy Tools

Sonntag, 01. Oktober 2006

Handy Tools

Dinge die den Neoblogger und flickr-User begeistern: Eben habe ich herausgefunden, dass meine Lieblings-Web 2.0-Anwendung flickr noch ein ganz tolles Tool bereithält, das mir das Bloggen in Zukunft noch einfacher machen soll, kann ich doch nach Eingabe meiner Daten ab sofort direkt von jeder Foto-Ansicht aus einen Blog schreiben und hierher schicken. Kein umständliches URL-Kopieren mehr, sondern nur mehr Blog this klicken, und los geht’s. Die Wunderwelt der Technik …

Was mir sonst noch auf den Nägeln brennt: Gestern abend Premiere im Berliner Ensemble – Claus Peymann und Hermann Beil spielen Thomas Bernhard; und vor allem sich selbst. Die Inszenierung altbekannt noch auch dem Wiener Akademietheater, die Besetzung allerdings neu und so richtig genial – eigentlich die logische und Idealbesetzung, verleiht es den drei Dramoletten doch eine besondere Komik und doppelte Ironie, wenn Peymann selbst Peymann sagen lässt, das Publikum könne ihn im Grunde doch im Arsch lecken. Peymann macht Bernhard ist für mich wohl seit über 20 Jahren die beste und einzige Möglichkeit, Bernhard auf die Bühne zu bringen. Deshalb – und auch meiner Begleitung wegen – ein wunderbarer Theaterabend. Bitte mehr davon!

War noch was mit der Weltkomödie Österreich? Ach ja! Die Ösis wählen mal wieder ihre Schlächter selber. Heute also mit dem für das kleine Land überdimensionierten Stimmzettel ab nach Tiergarten in die Botschaft der Republik und dem Erbrechen nahe doch auch ein Kreuzchen draufgemalt – noch nie zuvor mit solchem schlechten Gewissen und so ganz gegen jede politische Überzeugung. Eigentlich wäre es doch richtiger, das einzig Wahre zu tun und nicht zu wählen. Aber was nützts? Der Ersatzkaiser wird sich ja doch wieder als der Wahlgewinner präsentieren und weiter seine Operettenpolitik machen. Bleibt nur zu hoffen, diesmal ohne flötenspielender Volksschullehrerin im Gepäck. Und vielleicht dann doch einmal mit einer Partei, die nicht ständig die Grenzen der Menschenwürde auslotet und überschreitet. Aber warum eigentlich? Haben nicht die Wähler genau die Regierung verdient, die sie wählen? Hat nicht ein Operettenland eine Operettenregierung verdient, die nichts andere tut, als ihre Operettenpolitik umzusetzen? Tu felix Austria!