Erklär mir, Liebe

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In ihrer Rede zur Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden schreibt Ingeborg Bachmann: „Nun steckt aber in jedem Fall, auch im alltäglichsten von Liebe, der Grenzfall, den wir, bei näherem Zusehen, erblicken können und vielleicht uns bemühen sollten, zu erblicken. Denn bei allem, was wir tun, denken und fühlen, möchten wir manchmal bis zum Äußersten gehen. Der Wunsch wird in uns wach, die Grenzen zu überschreiten, die uns gesetzt sind. Nicht um mich zu widerrufen, sondern um es deutlicher zu ergänzen, möchte ich sagen: Es ist auch mir gewiß, daß wir in der Ordnung bleiben müssen, daß es den Austritt aus der Gesellschaft nicht gibt und wir aneinander prüfen müssen. Innerhalb der Grenzen haben wir den Blick gerichtet auf das Vollkommene, das Unmögliche, Unerreichbare, sei es der Liebe, der Freiheit oder jeder reinen Größe. Im Widerspiel des Unmöglichen mit dem Möglichen erweitern wir unsere Möglichkeiten. Daß wir es erzeugen, dieses Spannungsverhältnis, an dem wir wachsen, darauf, meine ich, kommt es an; daß wir uns orientieren an einem Ziel, das freilich, wenn wir uns nähern, sich noch einmal entfernt.“ (Ingeborg Bachmann: Werke, Bd. 4. Piper)

Was jedoch, wenn dieses Unmögliche, diese Utopie, die als Ziel vor Augen den Boden bildet, auf dem man geht, plötzlich zerfällt, sich auflöst zu Nichts, und man fällt, und niemand mehr da ist, der einen hält?

Erklär mir nichts. Ich seh den Salamander
durch jedes Feuer gehen.
Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

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2 Antworten zu “Erklär mir, Liebe”

  1. Tim sagt:

    … dann fällt man irgendwann auf eine neue Utopie – herein. In ihrer Labilität ebenso solide. Und man geht weiter. Und am Ende der Fälle ist man dann hoffentlich auf dem Boden der Tatsachen agekommen.

    Auf einen guten Flug!

  2. lothar sagt:

    Ist es tatsächlich, dass es die Utopie ist, auf die man hereinfällt? Ist es nicht viel mehr, dass wir nicht akzeptieren wollen, dass das Mögliche seine Grenzen hat, die wir nicht überwinden können? Der Boden der Tatsachen ist wohl erst dann erreicht, wenn wir die Utopie als Utopie anerkennen. Kein Ort, Nirgends. Und bis dahin: guten Flug. Und gute Landung!

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