Neulich im ICC

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320 Meter lang, 80 Meter breit und 40 Meter hoch – so steht das 1979 eröffnete und von den Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte geplante Internationale Congress Centrum wie ein UFO in der Berliner Stadtlandschaft. Besonders an einem Sonntag, wenn das Haus menschenleer ist, und man tiefer in das Gebäude eindringt, scheint es aus einer anderen Welt zu kommen. Und wie es sich für ein anständiges UFO gehört, kann es fliegen. Zumindest, wenn es nach der Architekturanalystin Ragna Körbi geht: „Es kann auf jeden Fall fliegen. Das Gebäude weiß es nur noch nicht. Vielleicht weiß es das Gebäude auch, nur die Stadt weiß es noch nicht.“

Dennoch scheinen nicht alle so glücklich mit dem Gebäude zu sein. Nicht kostendeckend klagt der Senat und würde es am liebsten schon heute abgerissen sehen. Das kennen wir ja aus Berlin – ein Palast, politisch nicht mehr opportun, weg damit! Es scheint als sei Archtitektur, ist sie nicht mindestens 100 Jahre alt, ohnedies nichts Wert, reiner Zweck auf Zeit. „Wenn der Palast weg muss, dann muss das ICC auch weg. Absurd natürlich. Abgesehen davon, dass ich auch finde, dass auch der Palast nicht sofort weg müsste – ich denke, insgesamt müsste man mit Gebäuden ein bisschen vorsichtiger umgehen. Solche Abrisse kosten unglaublich viel Geld – auch das ICC“, so Christine Edmaier vom Bund Deutscher Architekten. Ein Gedanke, der gar nicht laut genug geäußert werden kann: Insgesamt müsste man mit Gebäuden ein bisschen vorsichtiger umgehen!

Da bleibt nur zu hoffen, dass die Stadt endlich aufwacht und sich nicht mehr länger ein mittelmäßiges Bauwerk nach dem anderen in die Baulücken knallen lässt, um im Gegenzug ein bisschen von der Architektur der letzten 50 Jahre befreit zu werden – das gibt ja neue Baulücken …

Bilder vom Gebäude gibt es in der Group ICC auf flickr.

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2 Antworten zu “Neulich im ICC”

  1. BD-Architekten Regensburg sagt:

    Das ist wohl einer der Gründe, warum Berlin pleite ist. Oder besser gesagt, warum es nicht aus seiner Endlos-Pleite-Schleife rauskommen wird. Wenn Politik sich in Dinge einmischt, die länger halten sollten als eine Amtsperiode dauert… Aber irgendwie machen diese nicht zusammenpassenden Gebäude doch auch ein bisschen von Berlins Charme aus, oder? Und der Steuerzahler zahlt und meckert ab und zu ein bißchen…

  2. lothar sagt:

    Das ist schon völlig richtig, der Charme Berlins kommt auch aus der bunten Mischung von Architektur aus den unterschiedlichen (politischen) Epochen der Stadt. Aber der Charme ist in Gefahr, wenn selbst herausragende Gebäude aus den Jahren 1945–1989 der Abrissbirne übergeben werden und so getan wird, als hätte die Nachkriegsgeschichte Deutschlands nicht auch ihre sichtbaren Spuren in der Stadt hinterlassen. Es ist schon klar, nicht alle Gebäude aus diesen Jahren sind erhaltenswert (und das trifft nicht nur diese Zeitspanne), der Palast und das ICC wären es aber allemal.

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